Ich lasse los

Ich lasse los.
Wie ein Vulkan
bricht alles aus mir heraus,
was sich da in all den Jahren angesammelt hat.

Ich lasse los.
Ich weine ungeweinte Tränen.
Ich schreie ungeschrieene Schreie.
Ich lache ungelachtes Gelächter.

Ich lasse los.
All die Prägungen aus meiner Kindheit,
die mein Leben beeinflußt haben;
anstatt daß ich es selbst gelenkt habe;
anstatt daß mein Leben von meinem Selbst geführt wurde.

Ich lasse los.
All die Hände,
die sich mir gutmeinend dargeboten haben;
und die mir damit zu verstehen gegeben haben, ich könne nicht alleine stehen.

Ich lasse los.
All die kleinen Vorurteile und Ängste,
alle Prüderie und Verkrampftheit.

Ich lasse los.
Ich bin frei.
Ich bin gewachsen.
Ich lebe.

Bis gestern war ich ein Keimling.
Der tief in der Erde steckt.
Nach dem Licht sucht.
Die Richtung nicht kennt, nur erahnt.
Hinstrebt, sich reckt und streckt.

Heute bin ich durchgebrochen.
Ab heute bin ich ein Junger Trieb.

 

©  Iris / Heilpflanze, 23.7.2001

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