Trilogie: 2 Das Erwachen

Ich öffne die Augen.

Unzählige kleine, flatternde Lichtwesen schwirren durch den Raum.
Sie freuen sich mit mir –
Und ich staune.

Wie ein Kind, das zum ersten Mal in seinem Leben Schmetterlinge sieht,
sitze ich da.
Ganz verzaubert sehe ich dem fröhlichen Treiben zu.
Spüre ihre Freude, dass ich sie endlich wahrnehmen kann.
Spüre meine Freude, dass sie da sind.

Ich kann es noch immer nicht ganz fassen.
Im Badezimmer stehen zwei Lichtgestalten.
Sind sie wirklich da, oder bilde ich es mir nur ein?
Ich strecke meine Hand aus, um eine zu berühren.
Es kribbelt; ich kann ihre Energie spüren.

Wow, es stimmt also, sie sind wirklich da.
Und ich kann sie sehen.
Ich bedanke mich für ihre Anwesenheit.

Ich setze mich auf den Teppich vor dem Bett.
Am Tisch blitzt etwas.
Ich sehe genauer hin.
Irgend ein kleines Wesen sprüht Funken.
Ich strecke meine Hand aus, und es kommt zu mir.
Eine ca. 10 cm große, schemenhafte, dunkle Gestalt steht auf meiner Hand.
Sie sprüht vor Übermut Funken.
Und ich weiß, es ist eine Elfe.
Meine Elfe.

Natürlich, ich bin ja eine Pflanze!
- Bis gestern war ich ein Samenkorn, ... ab heute bin ich ein junger Trieb. -
Und jede Pflanze hat ihre Elfe, oder?
Also habe auch ich eine eigene Elfe!
Wie schön!

Und jetzt,
in dieser zauberhaften Situation,
umgeben von zauberhaften Wesen,
jetzt spüre ich sie auf einmal.
Jetzt spüre ich sie:
Gottes Gegenwart.

Jetzt spüre ich, wie wir alle eins sind,
wie er ich ist und ich er bin.
Und ich spüre auch,
dass er mehr ist als alles andere.

Und ich spüre, dass ich ihm danken will,
und dass der leise Dank, den ich ihm hier, auf diesem Teppich zolle,
zuwenig ist.
Und ich spüre, dass ich ihm ein Lied singen will.
Dass ich ihm danken will, laut, vor all den anderen.

Und das werde ich tun.

 

© Iris / Heilpflanze 21.07.2003 - 23.09.2003

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